Journal — Die Werkstatt
Tadelakt: Der Putz, der Wände zu Stein werden lässt
In Marrakesch wird Kalk von Hand gepresst und poliert, bis er glänzt wie Stein und Wasser widersteht. Ein jahrhundertealtes Finish, für das es bis heute kein industrielles Gegenstück gibt.
Manche Wände sehen aus wie Stein und fühlen sich an wie Haut. Tadelakt ist ein Kalkputz aus Marrakesch, von Hand gepresst und poliert, bis er glatt, weich in der Hand und wasserabweisend wird. Seit Jahrhunderten kleidet er Hammams und Riads aus. Heute ist er auch die Oberfläche einiger unserer Stücke.
01Ein Putz aus Marrakesch
Tadelakt stammt aus der Gegend um Marrakesch, wo Kalk seit langem in Öfen gebrannt und von Hand gelöscht wird. Sein Name wird meist auf ein Wort zurückgeführt, das reiben oder kneten bedeutet – eine treffende Beschreibung seiner Herstellung: Das Material wird weit länger bearbeitet, verdichtet und poliert als jeder gewöhnliche Putz.
Zuerst wurde er dort eingesetzt, wo Wasser allgegenwärtig ist: in Hammams, Brunnen, Becken und an den Innenhofwänden der Riads. Eine Oberfläche, die sich waschen lässt, in der Hitze nicht reißt und mit der Zeit nur schöner wird.

Tadelakt wird nicht aufgetragen. Er wird gepresst, immer wieder, bis er bereit ist zu glänzen.
02Kalk, Stein und schwarze Seife
Das Rezept ist kurz, und genau darum geht es. Kalk, Wasser, manchmal ein mineralisches Pigment. Alles andere ist Geste.
- 01
Der Kalk
Der Kalk wird gelöscht und ruht, bis er zu einer dichten, gut verarbeitbaren Paste wird.
- 02
Auftragen
Der Putz wird in mehreren dünnen Schichten mit der Kelle aufgetragen und im noch frischen Zustand gepresst.
- 03
Polieren
Ein glatter Flusskiesel wird immer wieder über die Oberfläche gerieben, schließt die Poren und lässt einen sanften Glanz entstehen.
- 04
Schwarze Seife
Schwarze Seife auf Olivenbasis wird in die Oberfläche eingearbeitet. Sie reagiert mit dem Kalk und macht ihn wasserabweisend.


Eine Oberfläche, die die Spur der Hand bewahrt
Keine Tadelakt-Oberfläche gleicht der anderen. Die Farbe wolkt leicht, der Glanz verändert sich mit dem Licht, die Spuren des Steins bleiben zart sichtbar. Sie ist eher eine Haut als eine Beschichtung.
Deshalb verwenden wir ihn für Objekte. Auf einem Gefäß verwandelt Tadelakt eine schlichte Form in etwas, das man berühren möchte: matt aus der Ferne, weich und beinahe warm aus der Nähe.
03Leben mit Tadelakt
Tadelakt altert gut. Er wird mit einem weichen Tuch und etwas Wasser gereinigt und kann von Zeit zu Zeit mit einer dünnen Schicht schwarzer Seife aufgefrischt werden. Kleine Spuren verschmelzen mit den Jahren mit der Oberfläche, statt hervorzutreten.
Er verlangt nur eines: als natürliches Material behandelt zu werden, nicht als Kunststoff. Dafür schenkt er eine stille Präsenz, die kein industrielles Finish nachahmen kann.


Mit Geduld gefertigt
Kalk, von Hand geformt.
Unsere Tadelakt-Stücke entstehen einzeln, werden von Hand poliert und mit schwarzer Seife versiegelt. Jedes trägt seine eigenen Wolken und sein eigenes Licht.